Kampfer – Der starke Reiniger

Kampfer – Der starke Reiniger

Es ist Anfang Januar und der Dezember mit abertausenden Paketen liegt hinter uns. Es wird Zeit wieder einen neuen Artikel zu schreiben und eine weitere Reise in die Welt der Harze zu unternehmen. Aber gleich zu Beginn: Kampfer ist kein Harz, im traditionellen Sinne, sondern eher eine gehärtete Substanz, die nach der Destillation entsteht.

Dennoch gehört Kampfer zu DEN Räucherstoffen, wenn es um Reinigung und Klärung geht, jeder Räucherfan kennt und nutzt Kampfer. Allerdings ist seine Stärke (da es ein Destillationsprodukt ist und somit der Anteil an Terpenen und Aromen extrem hoch ist) nicht zu unterschätzen. LETS GO

 

Was ist Kampfer?

Kampfer gehört wie z.b. Menthol, das ebenfalls gerne für Klarheit und bei Erkältungszeiten verräuchert wird, zu den Terpenoiden und nicht zu den Harzen. Während Baumharze etliche Inhaltsstoffe enthalten und sehr viele verschiedene Terpene, so ist Kampfer eine kristallisierte Substanz, die ursprünglich durch die Destillation des Holzes des Kampferbaumes gewonnen wird. In früheren Zeiten wurde die Reinheit von Kampfer anhand dessen bestimmt, ob nur das Holz destilliert wurde. Heutzutage, auch da die Destillationstechniken sehr viel besser und effizienter geworden sind, werden auch andere Teile des Baumes verwendet, z.B. die Blätter, Rinde und auch die Wurzeln. Man könnte Kampfer ein wenig mit einem ätherischen Öl vergleichen, aber nur für das einfache Verständnis, denn es ist ja kein klassisches Öl, aber entsteht ebenfalls durch den Destillationsprozess:

Bei einer Wasserdampfdestillation werden die Aromen aus den Pflanzenbestandteilen gelöst und im Dampf transportiert. Beim Abkühlen des Dampfes nach der Destillation des Kampferbaumes allerdings entsteht nicht nur Hydrolat und  ein ätherisches Öl, sondern bei der Abkühlung entstehen ebenfalls feste Stoffe. Man bezeichnet diese festen Aroma-Stoffe auch als Kristalle.

 

Botanik

Um die Wirkung eines Räucherstoffes wirklich verstehen zu können, ist es immer ratsam sich ein bisschen mit der Botanik und der biologischen Systematik zu beschäftigen. Aber keine Sorge: Mein Fokus beim Schreiben liegt auf der Wirkung eines Räucherstoffes, nicht auf der Botanik:

Kampfer stammt (mit einer Ausnahme) vom Baum Cinnamomum camphora. Wer sich ein bisschen mit der Botanik und Räucherstoffen auskennt, wird jetzt aufhorchen: Cinnamomum? Zimt?

Ja, richtig: Der Zimtbaum gehört ebenfalls zur Gattung Cinnamomum, genauso wie hunderte anderer Bäume. Und diese Gattung gehört zur Familie der Lorbeergewächse, zu denen wiederum tausende anderer Bäume und Pflanzen gehören.

Was die Art Cinnamomum in der Familie der Lorbeergewächse etwas herausstechen lässt, ist die Intensität der Duftdrüsen bzw. Öldrüsen, die in der Rinde, dem Holz, der Wurzel und auch in den Blättern stecken und einfach die gesamten Bäume der Gattung Cinnamomum intensiv riechen lassen.  Während bei anderen Bäumen, oft nur das Harz selbst oder auch die Blätter riechen oder nur zu bestimmten Zeiten, z.B. in der Blütephase, so ist der Kampferbaum ein aromatisches Riesenorchester, denn wirklich alles am Baum riecht nach Kampfer. Und der Baum hat wirklich eine stattliche Größe und Blattwerk.

Sehr alte Bäume (die auch besonders begehrt sind) können eine Höhe von 40 Metern entwickeln, mit einer großen Baumkrone und einem ziemlich breiten und starken Stamm. Endemisch betrachtet, hat der Baum im östlichen Teil Asiens sein zuhause. Doch durch die Kultivierung und den Stellenwert des Baumes für den Handel und den Glauben, findet man den Kampferbaum mittlerweile in vielen tropischen und subtropischen Ländern dieser Erde.

 

Duftprofil

Es gibt schon ein paar Unterschiede im Duftprofil, darauf komme ich gleich zurück, wenn ich die einzelnen Kampfersorten vorstelle. Doch was Kampfer immer ausmacht, ist ein sehr intensives scharfes, kaltes, klärendes und würziges Aroma.

Während andere Räucherstoffe teilweise hunderte verschiedene Terpene und Aromastoffe enthält, hat der Kampfer gar nicht so viele verschiedene Aromastoffe, die einen Duft erzeugen, sondern sehr wenige Aromastoffe, aber dafür in einer einmalig hohen Konzentration. (Wer etwas über Terpene im Weihrauch wissen möchte, klickt hier: mehr Infos).

Die chemischen Verbindungen, die den Duft des Kampfers ausmachen, sind Kampfer (Camphor), Cineol, Pinene und eine kleine Anzahl anderer Monoterpene, wie Limonen. Der größte Duftgeber im Kampfer ist das Monoterpen Kampfer selbst. Dieses Monoterpen ist der Hauptbestandteil des Kampfers, bis zu 80%.

Diese Terpene, auch das Kampfer-Terpen selbst, finden wir auch in anderen Pflanzen, wie z.B. Rosmarin und Salbei, aber nicht in dieser hohen Konzentration!

 

Welche Kampfersorten gibt es?

Obwohl natürlicher Kampfer aus dem Baum Cinnamomum camphora gewonnen wird, so muss ich darauf hinweisen, dass der Großteil des genutzten Kampfers nicht natürlichen Ursprungs ist.

Natürlicher Kampfer wird aus dem Kampferbaum durch Destillation gewonnen und ist als Kristalle oder Pulver im Handel erhältlich. Dieser Kampfer ist ein wertvoller Räucherstoff. Allerdings wird Kampfer nicht nur beim Räuchern genutzt, sondern hat zahlreiche Anwendungen in der Industrie, in der Medizin und auch in der Kosmetik. Selbst ein Mensch, der noch nie was mit Räuchern oder Pflanzen zu tun hatte, kennt Kampfer ziemlich gut, denn es gibt kaum einen Erkältungsbalsam oder eine Muskelsalbe ohne Kampfer. Die Anwendungen von Kampfer sind so zahlreich, dass man den Stoff auch industriell herstellt, zum Beispiel aus Terpentinöl (aus z.B. Kiefern).

Allerdings ist Terpentinöl und natürlich auch das synthetische Kampfer auf keinen Fall zum Räuchern geeignet!!! Man könnte sogar sagen, es ist gesundheitsschädlich und sehr gefährlich für die Lunge.

Wenn du Kampfer räuchern möchtest, dann achte genau darauf, woher der Kampfer stammt und ob es sich um natürlichen Kampfer handelt.

 

Die Besonderheiten Borneo-Kampfer und Bhimensi Kampfer

Gleich kommen wir zum Thema: „Wie wirkt Kampfer, welche Bedeutung hat er im Brauchtum und anderen Kulturen, wie räuchert man ihn“, doch zuvor möchte ich auf zwei „besondere“ Kampfer-Arten hinweisen:

 

Borneo-Kampfer

Im Grunde ist der Borneo-Kampfer botanisch betrachtet kein klassischer Kampfer, obwohl er in alten Überlieferungen als beste und edelste Version bezeichnet wird, da er damals (wie andere kostbare Harze) außergewöhnlich teuer war und mit Gold aufgewogen wurde. Der Borneo-Kampfer stammt aus der Insel Borneo und anderen Regenwäldern in Indonesien. Allerdings stammt dieser einst sehr wertvolle Kampfer nicht aus dem Baum Cinnamomum camphora oder gar aus der Familie der Lorbeergewächse. Auch wurde er nicht durch Destillation hergestellt, sondern es handelte sich dabei um kristalline Ablagerungen im Inneren des majestätischen und riesigen Baumes Dryobalanops aromatica.

Dieser Borneo-Kampfer ist deshalb so wertvoll und Sagenumwoben, da man nie genau wusste, wo und welcher Baum diese inneren Hohlräume hat, an denen sich die duftenden Kristalle entwickelt hat. Im Gegensatz zum natürlichen Kampfer, der in zahlreichen Mengen hergestellt werden kann, so sind diese natürlichen Ablagerungen selten und waren viele Jahrhunderte auch nicht im Handel erhältlich, sondern eine seltene Kostbarkeit, die nur den Kaisern und Tempel verwendet wurde.

Heutzutage ist dieser Kampfer aber ebenso selten geworden, denn durch die Abholzung der Regenwälder in den letzten Jahrzehnten sind die Bestände der Bäume so stark geschrumpft, dass der echte und reine Borneo-Kampfer (mit Betonung auf „echt und rein“, denn es gibt viele Beimischungen) selten geworden und kaum mehr im Handel vertreten ist)

 

Bhimensi-Kampfer

Bhimensi-Kampfer ist ebenfalls ein besonderer Kampfer, der im Ayurveda und asiatischen Traditionen eine sehr große und bedeutsame Rolle spielt. Der Name stammt vom Helden Bhima, der in dem indischen Epos Mahabharata als Sohn von Pandu und Vayu mit übermenschlichen Kräften und zahlreichen Heldentaten beschrieben wird.

Bhimensi Kampfer findet man traditionell in Indien, Nepal und im Himalya Gebirge und stammt natürlich, wie der Gewöhnliche, aus der Destillation des Baumes Cinnamomum camphora. Allerdings werden hierfür ganz bestimmte Bäume verwendet, die sehr alt sind und die dichtes Kernholz und ein starkes Wurzelwerk entwickelt haben. Auch werden, wenn traditionell hergestellt, nur die Wurzel und das dichte Holz für die Destillation verwendet, was den Bhimensi Kampfer sowohl in Färbung, Wirkung und Duft etwas verändert. Man könnten den Bhimensi ein wenig mit Wein oder Rosenöl vergleichen (ja, ich weiß, ich verzettle mich oft mit meinen Vergleichen 😊):  Ein Wein und ein gutes Rosenöl reifen mit der Zeit und werden wertvoller.

Während gewöhnlicher, natürlicher Kampfer sehr weiß ist, kann der Bhimensi Kampfer eine etwas „dunklere“ Färbung haben, die eher an ein Grau erinnert. Er ist auch nicht so scharf beim Räuchern, sondern eher runder und sanfter (und dennoch „schwerer“) im Duftprofil. Zwar enthält er die gleichen Terpene, da er ja ebenfalls aus dem Baum Cinnamomum camphora gewonnen wird, aber durch sein besonderes Alter und andere verwendete, wesentlich reifere Pflanzenteile, enthält er weniger das Monoterpen Kampfer und die anderen Terpene sind zahlreicher vorhanden.

Dadurch ergibt sich auch eine kleine andere energetische Wirkung!


Die Wirkung von Kampfer beim Räuchern

Da wir sowohl im Großhandel, als auch in unserer Räucherwelt nur den Bhimensi-Kampfer  importieren und anbieten, werde ich auf die Unterschiede der Kampfersorten etwas genauer eingehen, aber nun konzentrieren wir uns erst einmal auf die Wirkung beim Räuchern allgemein.

Kampfer ist ein Räucherstoff, der zwischen der stofflichen und feinstofflichen Welt vermittelt und als „Lichtkristalle“ beschrieben werden können. Die Wirkung von gewöhnlichem, natürlichen Kampfer beim Räuchern ist extrem öffnend, scharf und klärend, was ihn neben Weißem Salbei, Palo Santo und (fälschlicherweise) Weihrauch zum beliebtesten Räucherstoff für eine energetische Hausreinigung macht.

Wie ihr wisst, vereine ich gerne Wissenschaft und Tradition. Wenn wir uns die Terpene im Kampfer anschauen, vor allem das Monoterpen Kampfer, das überwiegend enthalten ist, so können wir daraus sehr leicht die energetische Wirkung ablesen:

Das Terpen Kampfer wirkt sehr kühlend und erfrischend. Es steigert die Wachheit und die Konzentration, alleine schon wenn man z.B. an Erkältungsbalsam riecht. Kampfer ist ein trennender Stoff, er schafft Distanz zwischen Energiefeldern, auch Distanz zu störenden Gedanken oder Gefühlen. Ich lese immer wieder, dass Kampfer eine ordnende Energie hat, aber das fühle und sehe ich nicht so. Ordnend ist zum Beispiel Zirbenharz, aber Kampfer ist einfach zu stark in seiner trennenden Kraft. Ehrlich gesagt, bin ich vermutlich nicht die einzige Person, die nach dem Räuchern von Kampfer das Bedürfnis hat, noch etwas hinterher zu räuchern, damit die „Leere“, die im Raum oder im Feld entstanden ist, wieder gefüllt wird. Auch wenn ich es heute nicht mehr so nennen würde, in früheren Büchern von mir, habe ich Kampfer als eine Art „Reset-Räucherstoff“ beschrieben.

Die anderen Terpene im Kampfer, auch wenn sie nicht so zahlreich und intensiv sind, ist auch 1,8-Cineol (so der wissenschaftliche Name). Cineol kennt ebenfalls jeder, dieses Terpen findet man zahlreich in Eukalyptus (und somit in Menthol). Die Wirkung ist nicht ganz vergleichbar mit dem Terpen Kampfer, es ist sanfter, wirkt aber ebenfalls kühlend und leicht klärend.

Das Terpen alpha-Pinen, das auch in Weihrauch vorkommt, kennt man von unseren heimischen Nadelbäumen. Und wie fühlen wir uns nach einem Spaziergang durch unsere Nadelwälder oder durch das Räuchern von Kiefernharz? Weit geöffnet, fokussiert, aufgerichtet.

Beim Schreiben fällt mir auf, dass trotz des geringen Terpenprofils, die Symbiose zwischen den einzelnen Terpenen, die im Kampfer enthalten sind, deutlich erkennbar sind.

Wenn auch nur in Spuren, so enthält Kampfer auch das Terpen Limonen. Limonen ist das Terpen, das den Zitronen ihren einzigartigen Duft verschafft und wird als Duft der Leichtigkeit beschrieben.  Limonen verschafft Klarheit, wirkt stimmungsaufhellend und hilft beim Loslassen.

Selbst, wenn man nur die Terpene betrachtet, und ausnahmsweise bestehen Kampfer-Kristalle fast nur aus Terpenen, im Gegensatz zu fast allen anderen Räucherstoffen, so bekommt man schon eine Vorahnung, wie machtvoll klärend Kampfer beim Räuchern wirkt. Ich glaube, es gibt keinen Räucherstoff, der so scharf und klärend wirkt, wie Kampfer. Ehrlich gesagt, ist Kampfer sogar ein wenig brutal, aber darauf gehe ich später noch ein.

Kampfer wird beim Räuchern verwendet, wenn man:

·         Sich oder die Räume reinigen will

·         Bei Ritualen, um sich von fremden Energien, Gefühlen und gar Menschen zu trennen

·         Um Ungeklärtes, nicht mehr Benötigtes, zu „entfernen“, um Schwere loszulassen

·         Da Kampfer beim Räuchern sofort den Sympathikus aktiviert (ähnlich wie zum Beispiel bei Rosmarin) hilft es auch, Altes hinter sich zu lassen und eine sofortige Klarheit in Körper, Geist und Seele zu fördern.

 

 Der Bhimensi Kampfer beim Räuchern

Die Wirkung von Bhimensi Kampfer beim Räuchern ist dem des gewöhnlichen Kampfers natürlich sehr ähnlich, schließlich handelt es sich bei beiden Sorten, um einen festen Aromastoff, der bei der Destillation desselben Baumes gewonnen wird. Allerdings gilt die Bezeichnung Bhimensi-Kampfer traditionell nur, wenn es sich dabei um sehr alte, sehr reife Bäume handelt, die bereits besonders intensives Kernholz entwickelt haben (und damit einhergehend ein besonderes Wurzelwerk). Der Bhimensi Kampfer ist sanfter, als der gewöhnliche Kampfer und nicht so extrem scharf. Er ist weicher, runder und ein wenig balsamischer, also nicht so stark „trennend“ wie der andere, marktübliche Kampfer. Der Rauch des Bhimensi-Kampfer ist auch nicht so  (wie soll ich es beschreiben?) aufdringlich, kalt und leicht. Aber die Wirkung ist dennoch sehr ähnlich.

 

Tradition und Brauchtum

Kampfer wird in vielen Kulturen verwendet, doch man darf nicht vergessen, dass der Baum ursprünglich aus dem Ost-Asiatischen Raum kommt und die meisten (und ersten) Überlieferungen von dort kommen. Bis der Kampfer durch den Handel in unsere europäischen Länder gekommen ist und in unseren Schriftstücken auftauchte, sind fast 1000 Jahre vergangen.

Die älteste schriftliche Überlieferung finden wir im Shennong Ben Cao Jing, DEM klassischen chinesischen Werk (es gibt hunderte) über Arzneimittel und „Drogen“ (Wurzeln, Kräuter etc.) Dort wird Kampfer als kühlender Stoff genannt, der die innere Hitze reduziert (Fieber und Entzündungen) und den Geist klärt. Diese Sammlung von traditionell chinesischen Heilmitteln wurde vermutlich 150 Jahre vor Christus geschrieben. Auch galt Kampfer im Hinduismus als wichtiger Räucherstoff für die Tempelreinigung und auch heute ist er noch ein wichtiger Bestandteil der tibetischen Räucherstäbchen

Relativ zeitgleich tauchte der Kampfer, als Kapura, auch in ayurvedischen Texten auf. Allerdings wird hier der Kampfer nicht nur, wie in den chinesischen Werken, als Arzneimittel beschrieben, sondern, besonders im Tantra, wird dort klar auf die spirituelle Wirkung des Kampfers hingewiesen. Er soll besonders auf das Herz-Chakra und das allgemeine Bewusstsein klärend wirken, so dass Kampfer traditionell auch beim Tantra und Meditationen verwendet wurde.

Medizinisch klassifiziert und systematisiert wurde der Kampfer im Arabisch-Persischen Raum ungefähr 1000 Jahre später. Zum damaligen Zeitpunkt schwappten auch die ersten medizinischen Papierrollen und „Bücher“ aus dem fernen Osten nach Europa, was die damalige Medizin weit vorantrieb und ihn im Mittelalter auch hierzulande bekannter machte, durch Anwendungen in Rezepturen und Kräuterbüchern.

Hildegard von Bingen, die Benediktineräbtissin und Mystikerin des 12. Jahrhunderts berichtete ebenfalls über Kampfer und dessen Anwendung. Ihre spirituelle Weitsicht allerdings führte dazu, dass sie die starke Wirkung von Kampfer erkannte und auch davor warnte, zu unachtsam mit dem Stoff umzugehen.

Kampfer wurde nicht nur als „Heilmittel“ genutzt (übrigens der Bhimensi-Kampfer, also reiner Kampfer, wird auch heutzutage noch als Medizin genommen und gilt als „edible/essbar“):

Kampfer wird seit Jahrtausenden (auch seit dem Mittelalter im heutigen europäischen Raum) als „Reinigungsmittel“ verwendet. Gerade als die Pest wütete und moderne Desinfektionsmittel noch nicht vorhanden waren, wurde mit dem Rauch Krankheit und Unheil vertrieben. Doch auch Verstorbene wurden mit Kampfer (und anderen heiligen Stoffen) „gewaschen“, damit die die Seele diese materielle Welt loslassen und übergehen konnte in die Reiche der Geister oder Ahnen.

Kampfer galt schon lange als ein Räucherstoff, der ähnlich wie heute auch, klärende und reinigende Eigenschaften in sich trägt und so gerade bei Übergängen genutzt wurde. Auch wenn überwiegend für den Sterbeübergang verwendet, so wurde Kampfer auch zur Weihe verräuchert und vor Ritualen genutzt, um sich von „Altem“ und „Schweren“ zu lösen.   

 

Wie räuchert man Kampfer?

Ich denke, das nun relativ klar ist, wann man Kampfer verräuchern sollte und wie es wirkt, doch beim Räuchern ist etwas Vorsicht angebracht.

Kampfer sollte auf Räucherkohle oder einem Weihrauchbrenner verräuchert werden, auf keinen Fall (ohne Erfahrung) auf einem Sieb. Kampfer ist hochentzündlich und manche Menschen haben nur ein Räuchergefäß mit Sieb zuhause. Darauf Kampfer zu räuchern ist buchstäblich brandgefährlich.

Beim Kampfer gilt auch ganz klar: Weniger ist mehr. Auch wenn unser Bhimensi-Kampfer sanfter als anderer Kampfer ist, so gehört es zu den stärksten Räucherstoffen, die es gibt.

Ein Kristall in der Größe von einem Cent ist bereits ausreichend! Bedenke auch bitte: Kampfer ist kein Harz, sondern ein Terpenoid, also schmilzt es ausgesprochen schnell, und rückstandslos.

Da der Rauch auch reizend sein kann, ist es gerade hier sehr wichtig, dass man nach dem Räuchern die Fenster öffnet und durchlüftet! Der frische und scharfe Geruch des Kampfers und natürlich seine Wirkung bleibt auch nach dem Lüften vorhanden, da der Kampfer sich nicht wirklich in qualmenden Rauch auflöst, sondern eher in einem qualmenden Dampf.

 

Mit anderen Räucherstoffen mischen

Wie Eingangs beschrieben, kann man nach einer Räucherung mit Kampfer eine gewisse Leere empfinden, die mal stark und mal weniger stark sein kann. Es kann Sinn machen Kampfer mit anderen Räucherstoffen zu mischen, erstens weil andere Kräuter den Kampfer etwas konservieren und in sich aufsaugen und zweitens, um die Wirkung direkt zu ergänzen oder auszugleichen. Wir haben Kampfer zum Beispiel in unserer kühlenden Räuchermischung (klar, ist kühlend) und auch in der Räuchermischung Schutz (pure reinigende Kraft).

Doch man kann ihn auch mit vielen anderen Räucherstoffen mischen und so die Wirkung anpassen. Wenn man zum Beispiel eine Reinigungsräucherung machen möchte, könnte man erdende Räucherstoffe mit dem Kampfer mischen, damit die luftige Eigenschaft ausgeglichen wird. Oder man mischt Kampfer in Räuchermischungen, die das Ziel haben ein bestimmtes Chakra zu „öffnen“ bzw. zu stärken. Auch bei anderen Ritualen, ob nach einem Streit oder zur Stärkung der Gesundheit kann Kampfer in geringer Dosierung eine wertvolle symbiotische Ergänzung sein.

  

Abschluss:

Ich sitze nun doch seit ein paar Stunden an diesem Artikel und es wird Zeit für ein Resümee.

Kampfer ist klar, stark, scharf und sehr intensiv. Es ist kein Räucherstoff für jeden Tag, sondern ein Räucherstoff, den man ganz gezielt einsetzt, wenn man ihn braucht: Er ist ein beinahe mystisches Räucher- und Heilmittel (das darf man gar nicht mehr sagen, aber dem war so), das wie kein anderer Stoff klärt, kühlt, reinigt und trennt.

Es ist sehr wichtig, dass man ausschließlich natürlichen Kampfer räuchert und immer sehr niedrig dosiert. Eine Frage, die sicherlich (zurecht) in manchen Köpfen der Leser auftauchen wird: „Was ist mit Haustieren?“

Dazu gibt es einen eigenen Artikel und die meisten Haustiere flüchten von alleine, wenn ihnen etwas „stinkt“, im feinstofflichen und grobstofflichen Sinne. Doch gerade beim Kampfer ist wirklich Vorsicht geboten, deswegen ist mein Rat:

Ohne Erfahrung sollte Kampfer nicht verräuchert werden, wenn kleine Kinder, Asthma-kranke Menschen, Schwangere oder Haustiere (vor allem Vögel!!!) anwesend sind.

 

 

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